Begriffe und Zusammenhänge:

Der richtige Umgang mit
„UNTERNEHMENS-KENNZAHLEN"

Das weite und schwer zu überschauende Reich der „Unternehmens-Kennzahlen" spielt in zahlreichen Veröffentlichungen eine eher unheilvolle Rolle. Schon Ihre Benennung, oft auch unrichtige oder leichtfertige Erklärungen, öffnen Mißverständnissen Tür und Tor.

„Beitrags-Zuwachs-Raten" etwa können sowohl gesundes Wachstum durch Neugeschäft als auch schlichte Verteuerung anzeigen, hochgepriesene „Eigenkapital-Quoten" haben nicht viel mit Rücklagen zur Beitrags-Stabilisierung zu tun, im Gegenteil: Hier kommen die Anleger und Aktionäre ins Spiel, an die - woher wohl? - eine Gesellschaft möglichst herzhafte Renditen ausschütten muß! Außerdem ist eine Erhöhung des Eigenkapitals hoch zu versteuern, was letztlich ebenfalls zu Lasten der Versicherten geht. Daß gerade diese Quote oft genug in bunten Magazinen als Maßstab für Sicherheit schlechthin hergenommen wird, läßt sich nur mit fachlicher Unbedarftheit und Oberflächlichkeit erklären.

Werden solche Rechenergebnisse auch noch mit beliebigen „Gewichtungen" versehen, um sie einfach nebeneinander stellen zu können, und dergestalt der Öffentlichkeit als schlichte Punkte-Chips in einer Gewinn-Show vorgeführt, gerät das Ganze zu einem Vexierspiel. Oberflächlicher Journalismus bedient so gerne den verständlichen Leserwunsch nach vereinfachenden Rastern und leichtverdaulicher Aufbereitung schwieriger Sachverhalte, um am Ende ein „Siegerpodest" zu präsentieren, an dem sich der verunsicherte Kunde festhalten kann - so lange, bis er in anderen Blättchen mit ebenso viel Fach-Chinesisch aufgemachte, sonst aber verblüffend abweichende Hitparaden findet und erst recht nicht weiß, auf welche Zahlen er jetzt setzen soll.

Umso schlimmer, wenn solche Werte auch noch von vornherein gedankenlos und laienhaft ermittelt werden - etwa von Leuten, die ihre Untersuchungen über einen in Anbetracht eines Menschenlebens mehr als läppischen Zeitraum von ganzen 6 (sechs!) Jahren zur „Langzeit-Studie" hochjubeln, oder von „Verbraucher-Schützern", die nicht einmal die gedruckten Tarifbedingungen richtig wiedergeben...

Gewiß kann ein Journalist, der jede Woche ein anderes Sachgebiet behandeln muß, sich nicht annähernd so gründlich in seinen Gegenstand vertiefen wie sorgfältig ausgebildete Fachleute, die die Materie zu seinem Beruf gemacht haben und sich Jahre oder Jahrzehnte lang fast ausschließlich damit beschäftigen. Das überschäumende Selbst- und sogar Sendungs-Bewußtsein so mancher Verfasser aber scheint einzig auf der sorglosen Hoffnung zu beruhen, daß man dem Verbraucher bald alles als „kritisch" andrehen kann, was sich mit gedruckten Zahlen schmückt.

Tatsächlich sind bei der eingehenden und vollständigen Beurteilung eines Unternehmens die vielfältigen betriebswirtschaftlichen Quoten durchaus zu beachten. Allerdings unter strenger Berücksichtigung ihrer ganz eigentümlichen Aussagekraft bzw. -schwäche und unter Einbezug zahlreicher nicht minder bedeutsamer Umstände, wie etwa ihrer Entwicklung im Wandel der Zeit und ganz bestimmter mit Ihnen verbundener Qualitäten. Es ist dies aber eine wissenschaftliche Arbeit für Fachleute, und selbst unter denen sind immerhin etliche Bewertungen zurecht strittig.

Bei den wichtigsten Unternehmens-Kriterien haben wir es vorrangig mit ganz besonderen Eigenschaften und wesentlichen Voraussetzungen zu tun, die jede für sich mehr oder weniger unverzichtbar und notwendig sind. Deshalb können etliche dieser Voraussetzungen überhaupt nicht durch irgendwelche anderen Vorzüge ersetzt oder ausgeglichen werden. Wenn das Essen vergiftet ist, braucht man sich weder Gedanken über Geschmack noch über Nährwert zu machen und erst recht nicht um den Preis zu feilschen. Ebenso werden Sie sich Angesichts eines ungenießbaren Fraßes gar nicht erst mit seinem Giftgehalt befassen wollen...

Umgekehrt gibt es Gesichtspunkte, die sich ziemlich leicht in schlichten Geldwert umrechnen lassen - wie etwa Kosten für Brillengestelle, feste Selbstbehalte oder dergleichen. Derartige Größen braucht man nur zum entsprechenden Beitrag zu halten, um beurteilen zu können, ob dieser sich aus den angepriesenen Leistungen tatsächlich rechtfertigen läßt. Nur darf man hier einen ganz anderen Umstand nicht übersehen: In manchen Belangen kann übertriebene Großzügigkeit eines um Kunden werbenden Versicherers diese dazu reizen, übermäßig zuzulangen, schon, um gegenüber anderen Versicherten nichts zu versäumen. Ist eine solche Lawine aber erst im Rollen, kann der zunächst als so günstig glänzende Beitrag nicht mehr lange gehalten werden und muß dem Kosten-Unfug hinterher laufen!

Auf all diese Feinheiten und nachrangigen Merkmale werden wir hier schon aus Platzgründen nicht näher eingehen. Sie fallen erst bei der Erarbeitung eines maßgeschneiderten Angebots ins Gewicht, und wir werden sie alsdann individuell und sehr sorgfältig mit Ihren persönlichen Wünschen abstimmen.

Einige der wichtigsten Begriffe wollen wir hier kurz erläutern:

1.) Die Beiträge beinhalten vier Rechnungs-Posten: Alle rechnerisch erfaßbaren Aufwendungen für die gesundheitliche Versorgung im Laufe des ganzen Lebens werden gleichmäßig auf den Zeitraum der durchschnittlichen Lebenserwartung aufgeteilt; ein Teil davon ist entfällt bereits auf den Verbrauch im gegenwärtigen Lebensalter und heißt Risiko-Anteil, der für die Zukunft eingeplante Rest bildet die Alterungsrückstellung. Dazu kommen der Kostenanteil für den Betrieb des Versicherungsunternehmens, für Service, Verwaltung und Bearbeitung Ihrer Angelegenheiten, und schließlich ein Sicherheitszuschlag.

2.)

In der Deckungsrückstellung werden die Gelder aufbewahrt, die ausschließlich für die Versicherungsleistungen im Alter bestimmt sind. Ihr Aufbau und ihre laufende Verstärkung erfolgen aus drei Quellen: Aus den in den Beiträgen enthaltenen Alterungsrückstellungen, aus der „rechnungsmäszigen Verzinsung" der Kapitalanlagen in Höhe von 3,5% und aus der Direkt-Gutschrift. In letztere fließen mindestens 80 % der Zins-Überschüsse, das sind die über die 3,5%ige Verzinsung hinausgehenden Kapitalerträge. Je mehr Überschüsse eine Gesellschaft der Direkt-Gutschrift zuleitet, desto verläßlicher rüstet sie sich für die Zukunft.

3.)

Die „Rückstellung für erfolgsabhängige Beitragsrückerstattung" („erfolgsabhängige RfB") wird aus den Gesamt-Überschüssen gespeist - dazu gehören auch Einsparungen durch geringere Ausgaben als geplant.

Die erfolgsabhängige RfB ist ebenfalls ausschließlich für die Versicherten bestimmt: Entweder als Einmalbeiträge zur Abwendung von Beitragssteigerungen oder als Barausschüttung an Versicherungsnehmer, die ein oder mehrere Jahre lang keine Leistungen in Anspruch genommen haben. Dafür müssen die eingebrachten Gelder nach spätestens 3 Jahren eingesetzt werden.

Für welche dieser beiden Möglichkeiten wieviel dieser Mittel genommen werden und warum, darüber sagt die „RfB-Quote" nichts aus: Dies ist am „RfB-Entnahmeanteil" abzulesen.

Die „RfB-Quote" gibt die Höhe der erfolgsabhängigen RfB im Verhältnis zu den Beitragseinnahmen eines Jahres an.

Es werden auch noch weitere Quoten zur RfB gehandelt, allerdings beziehen sich alle nur auf die „erfolgsabhängige RfB":

  • Die „RfB-Zuführungsquote" setzt die Zuführung zur RfB innerhalb eines Geschäftsjahres ins Verhältnis zu den Beitragseinnahmen des selben Jahres. Dadurch werden die Leistungen eines Versicherers für die RfB genauer beschrieben, denn in der „RfB-Quote" werden die Rückstellungen aus 3 Jahren zusammengeworfen.
  • Die „RfB-Bestandsquote" wiederum setzt die vorhandene erfolgsabhängige RfB zur Deckungsrückstellung in Bezug. Hier schneidet aber ein Versicherer mit hoher Deckungsrückstellung zwangsläufig schlechter ab!

Wir erwähnen diese Quoten vor allem als Beispiel, damit nicht ähnlich klingende mit der eigentlichen RfB-Quote verwechselt werden!

4.)

Noch wichtiger scheint uns die ebenfalls aus Direkt-Gutschriften von Zins-Überschüssen gebildete „erfolgsunabhängige RfB", weil diese ausschließlich für die Beitrags-Entlastung der über 65jährigen Versicherten verwendet werden muß.

5.)

Die „Überschuszverwendungsquote" (genauer sollte man sagen: „Zins-Überschuß-Verwendungsquote") beschreibt, wie groß die Zuführungen zur Direktgutschrift und zur erfolgsabhängigen RfB im Verhältnis zum Ergebnis nach Steuern sind, also zum Gewinn der Gesellschaft. Letzterer kann zwar auch für Rücklagen verwendet werden; dennoch findet sich hier eine wesentliche Aussage über die Verwendung der Erträge für die elementarsten Aufgaben im Interesse der Versicherten: Die Direktgutschrift fließt nämlich ausschließlich in die Deckungsrückstellung und in die unter 4.) bereits erwähnte erfolgsunabhängige RfB.
6.)

Die „Zinsüberschuszbeteiligungsquote" setzt hier an, indem sie die Zuführungen zur Direktgutschrift und zur erfolgsabhängigen RfB zur Höhe dieser erwähnten Zins-Überschüsse ins Verhältnis setzt - also zu den Netto-Kapitalerträgen abzüglich der 3,5%, die ohnehin in die Deckungsrückstellung fließen.

Bemerkenswert ist, daß sich auf beide Überschuß-Quoten die Aufstockung der Eigenmittel negativ auswirkt, während gerade diese Eigenmittel auf der anderen Seite von den meisten Rezensenten wieder so positiv bewertet werden...

7.)

Die „Versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote" wiederum zeigt, wie solide die Beiträge kalkuliert sind: Wieviel bleibt von den Beiträgen nach Auszahlung der Leistungen an die Versicherten und Bestreiten der verschiedenen Kosten noch übrig? Die Formel lautet: Überschuß der Gesellschaft vor Steuern und vor Zuführungen in Direktgutschrift und in RfB abzüglich sämtlicher Kapitalerträge - das Ganze im Verhältnis zu den Beitragseinnahmen.

Die Beiträge müssen so berechnet werden, daß aus ihnen nach einer feststehenden Zuführung zur Deckungsrückstellung sämtliche Aufwendungen bestritten werden können, für die sie vorgesehen sind. Sind sie - trotz Sicherheitszuschlag - zu knapp kalkuliert, wird die Quote negativ. Der Versicherer muß seine Ausgaben zum Teil aus den Zinsüberschüssen bestreiten und es bleibt weniger Geld für die Verstärkung der Rückstellungen - ein leichtsinniger Frevel!

Eine sehr hohe Quote ist zwar andererseits Voraussetzung dafür, daß das Unternehmen auch außergewöhnlich hohe Mittel für die Reserven zur ZukunftsSicherung zur Verfügung hat; es kann diese Gelder aber genauso statt für Rückstellungen für eine Erhöhung der Gewinne oder für kostspielige Werbemasznahmen verwenden! Dann wäre die Versicherung schlicht zu teuer, auch wenn sich aufwendige Werbung für das Unternehmen selbst leider fast immer sehr auszahlt.

Diese Zusammenhänge zeigen in aller Deutlichkeit: Die versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote ist eine ganz grundlegende und unverzichtbare Kennzahl - aber in den Händen von Monopoly-Spielern wird sie schnell zu Mummenschanz!

8.)

Die „Betriebskostenquote" gibt das Verhältnis der Betriebskosten zu den Beitrags-Einnahmen an. Selbstverständlich ist es durchaus wünschenswert, die Kosten des Versicherungsbetriebs so niedrig - besser aber: so günstig! - wie möglich zu halten.

Die Betriebskosten wiederum werden in Verwaltungskosten und Abschluszkosten unterteilt; mißt man diese beiden einzeln an den Beitragseinnahmen, so erhält man wiederum die Verwaltungskostenquote und die Abschluszkostenquote.

Zu den Verwaltungskosten zählen die Aufwendungen für den laufenden Betrieb, der die Anliegen der Versicherten zu bearbeiten hat, die Geldmittel möglichst gewinnbringend anlegen soll, die notwendigen Berechnungen, Kalkulationen und Konzeptionen erarbeitet und überhaupt die ganzen täglichen Aufgaben zu bewältigen hat.

Der Wert all dieser Tätigkeiten steigt nicht unbedingt mit zunehmenden Einsparungen in diesem Bereich, aber darüber schweigt die Quote.

Serviceleistungen wie ständige Erreichbarkeit, gute, klare und zielführende Auskunft-Erteilung, Schnelligkeit und entgegenkommendes Verhalten der Sachbearbeiter oder andere praktische Hilfestellungen lassen sich unmöglich in Zahlen wiedergeben, wenn man diesen Einsatz wirklich vernünftig beurteilen will. Auch die Sorgfalt, der Erfolg und die Kundenfreundlichkeit sinnvoller und zukunftsweisender Investitionen, gesundheitspolitisch durchdachter Tarif-Ausarbeitungen sowie der sonstigen unternehmerischen Planungstätigkeit entziehen sich der Aufmerksamkeit dieser und anderer Quoten.

Alle diese Leistungen, die für eine vorbildliche Bedienung der Versicherten und für ein gesundes Unternehmen lebensnotwendig sind, dürfen nicht einzig daran gemessen werden, daß sie möglichst wenig kosten; das gleiche gilt für ein erfolgreiches Management der Kapitalanlagen. Wir kennen Versicherer, die mit überforderten und ungeeigneten Arbeitskräften aus dem zweiten Glied so ziemlich alles schleifen lassen und dafür von ihren zu Recht verbitterten Kunden ob solch preisgekrönter Sparsamkeit auch noch Lob einfordern.

Die Abschluszkosten fallen nur bei Neuabschlüssen von Versicherungsverträgen an. Wenn eine Gesellschaft durch hervorragende Leistungen und guten Leumund zahlreiche neue Mitglieder wirbt, die die Wirtschaftskraft des Unternehmens stärken, indem sie für eine breitere Risikostreuung sorgen, einen effektiveren Einsatz aller Mittel und eine günstigere Anlage der Rücklagen ermöglichen, hat diese Gesellschaft für ihr erfolgreiches Neugeschäft unvermeidlich auch mehr Ausgaben als eine solche, die sich rückläufig entwickelt und ihren Bestand vielleicht sogar abbaut.

Umgekehrt kann alleine von der Höhe der Betriebsausgaben natürlich nicht zwangsläufig auf bessere Leistungen oder zahlreichere Beitritte geschlossen werden. Wie bei allen anderen Kennzahlen würde es auch nichts nützen, ein „goldenes Mittelmaß" austzutüfteln, denn auch dieses könnte durch mangelhafte Leistungen und unwirtschaftliches Arbeiten zugleich erfüllt werden, und man hätte somit gleich alle Nachteile aus einer Hand. Immerhin geben hier sowohl außergewöhnlich hohe wie auch unwahrscheinlich niedrige Werte berechtigten Anlaß zu Sorge.

Diese Darstellungen sollen Ihnen einen allgemeinen Einblick in die grundsätzliche Aufgabenstellung einer folgerichtigen Unternehmens-Analyse geben. Sie mögen darüber hinaus belegen, daß wir nicht beabsichtigen, ausschlaggebende Zahlen unter den Tisch zu kehren, aber auch, warum wir von vornherein nicht bereit sind, aus sinnentleerten bloßen Zahlenvergleichen unvermeidlich vordergründige und unzulässige Schlußfolgerungen zu ziehen.

Deswegen bieten wir Ihnen auch nicht unsere „eigene" Vergleichs-Wertung nach hausgemachten starren Formeln an, denn dabei kann beim besten Willen nichts wirklich Brauchbares herauskommen. Bei all diesen Versuchen schneiden oft die hervorragendsten Versicherer nur unterdurchschnittlich ab, während in vieler Hinsicht fragwürdige Unternehmen häufig Spitzenplätze belegen. Wir werden uns aber nicht scheuen, Ihnen ein erstklassiges Unternehmen auch dann zu empfehlen, wenn es von selbsternannten Prüfern mit schlechten Zensuren in Verruf gebracht wird.

Falls Sie mehr über dieses umfangreiche Gebiet wissen wollen, stehen wir Ihnen gerne Rede und Antwort.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, daß diese Zusammenfassung nicht vollständig sein kann und sämtliche Angaben ohne Gewähr erfolgen. Rechtsverbindlich sind ausschließlich die einzelnen Gesetzes- und Vertragstexte und die Unterlagen, die Sie von der Versicherungsgesellschaft selbst erhalten.

Die beiliegende Vorstellung soll Ihnen einen Überblick unserer hauptsächlichen Tätigkeitsgebiete „zum Nachschlagen" an die Hand geben. Wir würden uns freuen, wenn wir Ihnen oder vielleicht Ihren Mitarbeitern oder Bekannten bei Bedarf unverbindlich Angebote auch im weiteren Umfeld der umrissenen Themenkreise erstellen dürften. Genau so gerne stehen wir Ihnen aber auch einfach mit Auskünften jeder Art zur Verfügung.

 Kontakt 

Kompaß-Rose